der Anfang | das Objekt | die Aktion | die Zukunft | Kontakt

Ist Michel Foucault Roger M. Buergels Niccolò Machiavelli?

geschrieben in die 100 Tage in Kassel von Verlaufsbericht Donnerstag Juli 12, 2007

Hält man sich eine Weile im Bereich der documenta i.w.S., also an Orten der Kommunikation von Kunst in Kassel, auf, bemerkt man, wie die offizielle Veranstaltung documenta12 in das Gesamtgeschehen einzugreifen versucht.

Auf der anderen Seite ist festzustellen, dass für die Gegenbewegung im Sinne eines Austauschs sehr wenig bis kein Raum besteht.

Die Rektorin der Kunsthochschule Kassel, Prof. Dr. Karin Stempel beklagt den Umgang Buergels mit der Hochschule und anderen Institutionen, die sich ja als Multiplikatoren der documenta12 verstehen und auch geschichtlich mit der documenta verbunden sind. Buergel antwortet lapidar, dass er sich aussuche, mit wem er zusammenarbeite und dass die Leitung der Hochschule ihn nicht zu einer Zusammenarbeit inspiriert habe.

Bei der Auswahl, der auf der documenta12 gezeigten Künstler, ging Buergel auch seinen eigenen Weg. Den Weg der Bewerbung gab es nicht. Alles reduzierte sich auf Buergels Entscheidungen.

In diesem Sinne kann man Buergels Leitungsfunktion sicher als autokratisch bezeichnen.

Holger Liebs schreibt in der Süddeutschen Zeitung:
“Man schafft Situationen - die Documenta -, die die Handlungen anderer - der Besucher - beeinflussen. Buergel und Noack sind in diesem Sinne die Regierung der Documenta. Und wir sind das Volk - und dadurch “jenseits etatistischer Zwänge” ermächtigt, eine neue Regierung der Kunstbetrachter zu bilden.”

Der Arm dieser ersten Regierung reicht weit. Die Regierung der Kunstbetrachter ist in jeder Hinsicht von ihr abhängig.

Christian Hardt wurde vom Deutschlandradio zur Sendung Länderzeit eingeladen. Er nahm als geladener Gast zusammen mit OB Bertram Hilgen, Roger M. Bürgel, sowie einigen “MacherInnen” der documenta Organisation und des documenta Beirates teil. Ayse Güleç, die Sprecherin des Beirates - der ja zwischen Kassel und der documenta12 vermitteln soll -, bezeichnete es als Unverschämtheit, dass Christian Hardt, als nicht akkreditierter Künstler, an dieser Veranstaltung teilgenommen habe. Zwei Wochen später versuchte Guido Stemme im Gespräch mit Frau Güleç eine Klärung. Leider ließ sich die kultiviert und gebildet wirkende Dame nicht von ihrer Position abbringen. Auch der Verweis auf die Pressefreiheit führte nicht zu einem Einsehen.

Wer oder was wirkte durch diesen Menschen?

Werden die foucaultschen Positionen hier zur Machtentfaltung instrumentalisiert?

Wird kein Rückkanal geboten, wird die Ausweitung in das Gesamtgeschehen Kassels sehr problematisch.

Vielleicht, und das bleibt als Hoffnung, wird Buergel seine “Herrschaft” - nach ausgiebigem Genuß des Distinktionsgewinns - noch dazu nutzen, diese Struktur, als Prozess angelegt, aufzubrechen, um den Teilhabern so die Problematik (schmerzlich) zu verdeutlichen. Auf diesem Wege hätte Buergel die Möglichkeit, sich als wirklicher “documenta Macher” zu verewigen und nicht rasch als “nicht weiter erwähnenswert” zu vergehen.

Hierbei könnte ihm Hegel mit seinem Kapitel Herrschaft und Knechtschaft in der Phänomenologie des Geistes sicher wertvolle Anregungen vermitteln.

Keine Kommentare

Noch keine Kommentare.

Leider ist die Kommentarfunktion zur Zeit deaktiviert.

Powered by Wordpress, theme by Dimension 2k